Was macht eigentlich...Christian Tröger?

Der gebürtige Münchner Christian Tröger ist ein ehemaliger deutscher Schwimmer, der bei Olympischen Spielen drei Bronzemedaillen gewann und zweimal Weltmeister wurde.

Was macht Christian Tröger heute?

Da muss ich etwas weiter ausholen: Bereits während meiner aktiven Karriere habe ich an der LMU in München Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing studiert und mich nach ein paar Zwischenstationen in Richtung Unternehmensberatung entwickelt. Im Auftrag des Nationalen Olympische Komitees durfte ich – mittlerweile mit meiner eigenen Agentur – für die Bereiche Evaluierungssystematik und Prozesssteuerung der Olympiabewerbung 2012 verantwortlich zeichnen. Im Zuge der internationalen Bewerbungsphase war ich anschließend an der Seite einer bundesweit agierenden Kommunikationsagentur für den deutschen Kandidaten Leipzig tätig. Das olympische Thema hat meinen Weg auch in den Folgejahren maßgeblich geprägt, z.B. im Rahmen der zunächst für 2014 geplanten und 2018 dann tatsächlich initiierten Olympiabewerbung Münchens. In dieser spannenden Zeit war ich vom Flughafen München, einem der TOP-Sponsoren der Bewerbung 2018, mit der Aktivierung des Engagements betraut.

Noch ist nicht klar, ob ich auch für die mögliche Bewerbung Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024 einen Beitrag leisten werde. Reizvoll ist das Thema für einen positiv infizierten Olympiaverrückten allemal, zumal man die Bürger auf der Straße stärker denn je involvieren und von den wahren Vorteilen der Olympischen Idee überzeugen muss. In der Öffentlichkeit hat sich nämlich der Eindruck festgesetzt, dass Olympia zwar das IOC reich macht, aber die Risiken auf Dritte abgewälzt werden. Dieses Image gilt es zu relativieren. Und hier könnte ich sicherlich einen positiven Beitrag leisten.

Gleich nach Beendigung meiner sportlichen Karriere war ich zunächst als ARD-Experte für den Schwimmsport und dann wieder im Zeichen der „Ringe“ vor und hinter der Kamera aktiv. Mein Wissen und die Erfahrungen rund um das Dreigestirn von Sport, Wirtschaft und Medien gebe ich heute unter anderem im Rahmen von Kommunikations- und Medienschulungen weiter. Gemeinsam mit meinem Freund Konni Dubrovin, ebenfalls ehemaliger Olympiaschwimmer, betreibe ich seit vielen Jahren die Aquatics-Schwimmschule und möchte damit meine Begeisterung für den Schwimmsport weitergegen.

Bezüglich der Münchner Bewerbung für 2018: Nach der Wahlniederlage wurde offen gesagt, München habe von Vornherein keine Chance gehabt. Hast Du als unmittelbar Beteiligter hiervon etwas mitbekommen?

Selbstverständlich bekommt man da etwas mit. Natürlich hatte Pyeongchang aufgrund der mehrfachen, erfolglosen Bewerbungen unzweifelhaft einen gewichtigen Vorteil, da das IOC Städte, die aus gescheiterten Bewerbungen gestärkt und lernwillig hervorgehen, honoriert. Gleichwohl war das Münchner Konzept erstklassig. Nicht nur vor diesem Hintergrund hätte eine erneute Bewerbung der Landeshauptstadt um die Spiele im Jahr 2022 uneingeschränkt Sinn gemacht. Kein Zweifel: München wäre heute im Vergleich zu den aktuellen Kandidaten der eindeutige Favorit auf den Zuschlag gewesen. Schade.

Dein Promotionsthema lautete: "Olympia - Im Spannungsfeld von Mythos und Marke". Wie fiel (fällt) denn da das Fazit aus?

Ohne den Mythos wäre Olympia nur die „Hälfte“ wert. Die Idee, viele Sportarten und Athleten aus der ganzen Welt zu sportlichen Wettkämpfen unter einem Dach zu vereinen, ist nach wie vor die Basis und der besondere Reiz Olympischer Spiele. Wenn der Athlet den Mehrwert Olympischer Spiele gegenüber z.B. Weltmeisterschaften nicht mehr zu erkennen vermag, oder sich lediglich als Appendix einer kommerziellen Großveranstaltung wahrgenommen fühlt, ist die Olympische Idee eigentlich tot.

Wie siehst Du die neuesten Entwicklungen im IOC? (z.B: das 20 Punkte Programm von Dr. Thomas Bach, die Olympischen oder Europäischen Jugendspiele)?

Ich kann zwar nicht viel zu den Europäischen Jugendspielen sagen, möchte aber anmerken, dass die Anzahl wichtiger Sportereignisse nicht inflationär gesteigert werden sollte. Einige der großen Verbände wie Leichtathletik und Schwimmen stehen dieser Entwicklung meines Wissens überaus kritisch gegenüber.
Für Thomas Bach ist es natürlich sehr schwer innerhalb kurzer Zeit bestehende Verkrustungen aufzubrechen. Er hat jedoch erkannt, dass Olympia in seiner jetzigen Form durchaus Potentiale einer inhaltlichen sowie kommunikativen Optimierung bietet. Ein Schritt in die richtige Richtung ist sein Reformprogramm damit allemal.

Du bist zweimal Weltmeister geworden und hast dreimal Olympiabronze umgehängt bekommen. Welcher Erfolg war der Schönste?

Emotional gesehen auf jeden Fall die erste olympische Medaille bei den Spielen in Barcelona. Organisatorisch lief in Spanien bisweilen vielleicht nicht alles optimal. Nachdem wir als Schwimmer jedoch das allererste deutsche Edelmetall geholt hatten, war für uns in Kombination mit dem entfachten Medieninteresse und der wunderbaren Kulisse ohnehin alles rosarot. Für mich persönlich bedeuteten diese Spiele gleichzeitig die Initialzündung für meine weiteren sportlichen Zielsetzungen. Wenn Du einmal bei Olympischen Spiele erfolgreich warst, möchtest Du das nochmals schaffen.

Der Münchner Schwimmsport war zu Deiner Zeit richtig stark und stagnierte dann über Jahre hinweg. Woran lag bzw. liegt das Deiner Meinung nach?

Das liegt vornehmlich an den Protagonisten des Sports sowie den jeweiligen Rahmenbedingungen. Zu meiner Zeit trafen die „richtigen“ Schwimmer auf den für sie wohl perfekten Trainer. Prinzipiell hat München sensationelle Möglichkeiten in Bezug auf Trainingsstätten, schulische wie berufliche Aspekte. Seinerzeit war es ein mühsamer Weg alle Player zu überzeugen bzw. die einzelnen Bausteine zusammenzuführen. Am Ende hat aber dann fast alles gepasst. Heute scheint es auch wieder zu stimmen, z.B. durch das Engagement der Stadtwerke und den Zusammenschluss vieler Münchner Vereine. Zwischenzeitlich fehlte wohl einfach das sportliche und finanzielle Potential bzw. Umfeld.

Was hat sich in Deiner Sportart im Vergleich zu den 80er, 90er und 00er Jahren verändert?

Schwer zu sagen. Jeder hat seine eigene Rezeptur. Dies ist natürlich auch der Individualität der Sportler geschuldet. Insgesamt kann man jedoch davon ausgehen, dass die Trainer sich besser fortbilden, informieren und oftmals auch Anregungen aus anderen Sportarten aufgreifen. Sicherlich profitiert der Schwimmsport auch von medizinischen und technischen Analysetools, welche im Vergleich zu früher wesentlich feiner und sportartspezifischer geworden sind. Meiner Einschätzung nach ist das Bewusstsein gestiegen, dass sich ein nachhaltiger Erfolg nur über ein stimmiges Gesamtpaket erreichen lässt. Mentales Training, Ernährung, ärztliche Betreuung und das Bemühen um ein sportaffines schulisch/berufliches Umfeld haben an Bedeutung gewonnen. Zufall und bloßes Gespür verlieren damit etwas an Relevanz.
Wenn ich mir allerdings die heute geschwommenen Zeiten ansehe, die so himmelweit von meinen Zeiten nicht entfernt sind, verspüre ich doch auch eine gewisse Genugtuung vieles richtig gemacht zu haben.

Warum engagierst Du Dich beispielsweise ehrenamtlich in der Deutschen Olympischen Gesellschaft?

Das Thema Sport hat mein bisheriges Leben bereichert als auch geprägt und wird es wohl auch weiter prägen. Zudem unterstütze ich die Werte und Philosophie, welche der Olympischen Idee zugrunde liegen. Mein ehrenamtliches Engagement gibt mir eine kleine Möglichkeit diese für mich gewichtigen Aspekte in die Gesellschaft zu tragen und mit unterschiedlichen Projekten auch Positives zu bewirken.

Zum Schluss: Es gibt ein neues sportliches Thema, in das Du involviert bist. Was ist das?

Aktuell begleite ich die Entwicklung und Markteinführung eines innovativen Sportgerätes, welches im Schwimmen und Triathlon für einigen Aufruhr sorgen wird. Der Powerbreather versorgt den Athleten – im Gegensatz zu herkömmlichen Schnorchel – immer optimal mit Sauerstoff, ohne dass Wasser eindringt. Leistungsschwimmer erhalten damit beispielsweise neue Möglichkeiten ihre Kraftausdauer, Lungenfunktion und Technik zu verbessern. Für mich ist das Thema insofern eine Herzensangelegenheit, weil es in idealer Weise die Leidenschaft zum Element Wasser mit meinen beruflichen Aktivitäten in Einklang bringt und gleichzeitig hilft etwas Leben in den bisweilen sehr lethargischen Schwimmsport zu bringen.