Was macht eigentlich...Elisabeth Micheler-Jones?

Sie ist eine der erfreulicherweise zahlreichen Augsburger Weltklasse-Slalomkanuten: Elisabeth Micheler-Jones wurde für Kanu Schwaben Augsburg 1987 Weltmeisterin mit der Mannschaft und Dritte im Einzelwettbewerb. 1991 wurde sie Weltmeisterin im Einzel. Bei den Olympischen Sommerspielen 1992 krönte sie sich zur Olympiasiegerin. Nachdem sie 1993 den britischen Slalomkanuten Melvyn Jones heiratete, trat sie unter dem Doppelnamen Micheler-Jones auch 1996 in Atlanta an, wo sie aber keine Medaille gewinnen konnte und auf Platz 10 landete.

Was macht Elisabeth Micheler-Jones heute?

Vieles. Erstmal bin ich Mutter von zwei Kindern, mit mittlerweile 13 und 16 Jahren. Beide sind dem Kanuslalom verbunden. Selina, die 16-jährige, hat gerade am vergangenen Wochenende an den Europameisterschaften ihrer Altersklasse (bis 18 Jahre) teilgenommen und wurde im Finale Achte, also Zweitbeste ihrer Altersklasse. Vor zwei Wochen ist sie mit der Mannschaft Vize-Weltmeisterin geworden, da sind wir insgesamt hochzufrieden. Im Kanuslalombereich koordiniere ich darüber hinaus auch noch 80 Schüler- und Jugendliche oder ca. 45 und deren Training.
Außerdem bin ich ehrenamtliche Stadträtin, genauer Sportreferentin der Stadt Friedberg. Zusätzlich bin ich bei der Stadt Augsburg angestellt und für eine Jugendeinrichtung zuständig. Die Woche ist also relativ vollgestopft mit Arbeit. 

Zweimal Weltmeisterin und Olympiasiegerin zu werden ist ja fast der Traum jeder Sportlerin. Erzählen Sie doch etwas darüber.

Das ging immer weiter nach oben. Schon 1987, bei meiner ersten Weltmeisterschaft, war ich zweimal auf dem Treppchen. Bei der WM 1991 wurde ich dann wieder Weltmeisterin, diesmal im Einzel, was natürlich ein Super-Gefühl war, das nur vom Olympiasieg ein Jahr später noch übertroffen wurde. Während dieser Spiele habe ich den Olympiasieg erst gar nicht so richtig mitbekommen. Klar bekommt man Gratulationen von anderen Sportlern aus bekannteren Sportarten, was für eine Randsportart schon eine große Anerkennung ist, aber so richtig wird einem das erst später bewusst.

Die Qualifikation für die Olympischen Spiele war ja erst im letzten Moment klar. Wie wird man mit dieser Nervenanspannung fertig?

Die Qualifikation wurde in Spanien, in Seu d`Urgell, direkt vor den Olympischen Spielen ausgefahren. Damals durften pro Land und Bootsklasse noch drei Teilnehmerinnen starten, so dass die Siegerinnen von zwei Ausscheidungsrennen gesetzt waren und die Zeitschnellste danach als dritte Starterin an den Spielen teilnehmen durfte. Meine Teilnahme, die von einer amtierenden Weltmeisterin ja fast erwartet wurde, entschied sich also erst im letzten Moment, Aber es war sehr nervenaufreibend, da man sich einfach keinen Fehler leisten kann.

Inwieweit konnten Sie von der Trainingsstrecke am Augsburger Eiskanal bezüglich Ihrer Erfolge profitieren?

Das Trainingszentrum selber ist natürlich sehr gut, da wir acht oder neun verschiedene Strecken anbieten können. Man kann selbstverständlich nicht nur auf dem Eiskanal trainieren, sondern muss sich z.B. seine Grundausdauer auch auf anderen Streckenprofilen holen.

Sie sind die einzige deutsche Olympiasiegerin und Medaillengewinnerin seit 1992.Bei den Männern sind es gleich 3.. Machen die Männer etwas besser?

Das kann natürlich auch reiner Zufall sein, weil in diesem Moment eben alles passen muss. Es liegt aber natürlich auch daran, dass es im Frauenbereich nur eine olympische Bootsklasse gibt, im Gegensatz zu drei bei den Herren. Da gibt es wegen des Gleichstellungsgebotes des IOC momentan Bestrebungen dieses Verhältnis in Rio auszugleichen.

Was macht die Sportart Kanuslalom in Ihren Augen so attraktiv und warum haben Sie diese gewählt?

Ich bin nahe an der Strecke aufgewachsen und mein Bruder hat mich immer wieder mit zum Training genommen, so dass ich mich später trotz zwischenzeitlichen Kunstturnens für Kanuslalom entschieden habe. Attraktiv ist diese Sportart, da es eine Ausdauersportart im Freien ist, trotzdem mit ständig anderen Bewegungsrhythmen auf verschiedenen Strecken. Wer das Ganze nicht wettkampfmäßig betreiben will, dem bietet die Sportart ebenfalls viele Möglichkeiten und das für Menschen beinahe jeden Alters. Ich würde mich heute wieder für Kanuslalom entscheiden.

Was hat sich in ihrer Sportart im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren verändert?

Vieles. Erstens sind die Boote kürzer geworden, was ich mir schon früher gewünscht hätte. Dadurch, dass die Boote wendiger geworden sind, sind auch die Strecken kürzer und mit schwierigeren Torkombinationen ausgestattet worden. Inzwischen gibt es ja in fast jedem Land mit guten Wildwasserpaddlern einen Kanal, sogar in Dubai, in der Wüste. Früher gab es lediglich zwei oder drei wettkampftaugliche Strecken. Im Gegensatz zu früher fahren auch schon Schüler und Jugendliche diese relativ schwierigen oder wirklich schwierigen Strecken. Ob das vom Alter her zu früh ist, sei dahingestellt.

Wie könnte sich die Sportart Kanuslalom publikumswirksamer darstellen?

Was dem Kanuslalom fehlt ist eine weltweite Übertragung der Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Weltcups. Während in anderen Sportarten z.B. bei den Skispringern die Vierschanzentournee europaweit übertragen wird, werden die oben aufgeführten Großereignisse immer nur in den Ländern übertragen, in denen sie stattfinden. Dadurch könnte man den Menschen die Faszination Kanuslalom besser vermitteln.