Was macht eigentlich...Katja Seizinger?

Sie ist die erfolgreichste deutsche alpine Skisportlerin der Nachkriegszeit und eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten. Insgesamt gewann Katja Seizinger (inzwischen Katja Weber) 36 Weltcuprennen. Zweimal gewann sie den Gesamtweltcup, sie ist Weltmeisterin und dreifache Olympiasiegerin. Seizinger wurde dreimal zur deutschen Sportlerin des Jahres gewählt (1994, 1996, 1998). Wir wollten wissen, was sie heute macht.

Was macht Katja Seizinger heute?

Privat habe ich zwei Kinder, die beide noch in den Kindergarten gehen Da mein Mann beruflich viel unterwegs ist, muss ich eigentlich alles für die beiden erledigen. Beruflich bin ich in das Unternehmen meines Vaters eingebunden, habe allerdings momentan keinen festen Arbeitsalltag.

Haben Sie sich auf Ihren heutigen Beruf schon während Ihrer Karriere vorbereitet?

Ich habe während meiner sportlichen Karriere ein Studium abgeschlossen, danach eine dreijährige Ausbildung beim Wirtschaftsprüfer absolviert. Anschließend  war ich weitere drei Jahre voll im elterlichen Geschäft, was sich dann aber durch die Kinder etwas geändert hat.

Glauben Sie, dass das heute noch möglich wäre, oder sind die Trainingsumfänge inzwischen zu hoch?

Das geht immer noch. In den letzten vier Jahren meiner Schulzeit bin ich in etwa ein Drittel der Zeit anwesend gewesen. Auch wenn sich die Lehrmethoden geändert haben, ist unsere Generation nicht dümmer und nicht schlauer als die jetzige. Natürlich gehören ein eiserner Wille und gewisse Rahmenbedingungen dazu. Die Schule muss z.B. mitspielen. Im Anschluss habe ich ein Fernstudium absolviert, da ein Präsenzstudium im Skisport nicht möglich ist, weil man sehr viel im Ausland trainiert. Außerdem kann man sowieso nicht mehr als sechs Stunden - plus minus - körperliches Training pro Tag absolvieren. In der Restzeit habe ich mich eben meinen Schul-/bzw. Uniunterlagen gewidmet. Natürlich habe ich aber Abstriche bei meiner Präsenz in der Öffentlichkeit gemacht. Das war für mich aber eine grundsätzliche Entscheidung, da es das Unternehmen meines Vaters bereits gab und mir klar war, dass das mein zweites Leben werden würde. Insofern habe ich sicherlich nicht sämtliche Möglichkeiten meine Vermarktung betreffend und den damit verbundenen Zeitaufwand wahrgenommen.

Wie sind Sie als Flachlandtirolerin eigentlich zum Skifahren und nach Bayern gekommen?

Also die allerersten Anfänge waren in Zermatt in der Schweiz. Ich komme ja eigentlich aus dem Ruhrgebiet und da meine Eltern ganz normale Skitouristen waren, nahm das Ganze eben seinen Lauf. Nachdem wir dann hier in den Odenwald umgezogen sind, kamen meine Eltern mit einem Skiklub in Kontakt, der sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet hat. Dazu kam natürlich die Bereitschaft meiner Eltern mich jedes Wochenende irgendwo hinzufahren. Mit etwas Glück und einigen Zufällen wurde ich eben irgendwann sozusagen entdeckt.

Sind Sie dem Skisport noch verbunden oder beobachten ihn zumindest noch?

Also wenn das nicht der Fall wäre, wäre irgendetwas falsch gelaufen. Skifahren ist nach wie vor im Winter mein Lieblingssport, den man ja mit der ganzen Familie betreiben kann. Was den Profisport angeht, kennt man natürlich noch ausreichend Leute und beobachtet die deutschen Ergebnisse. Allerdings eher zuhause vor dem Fernsehen.

Was gefällt oder missfällt Ihnen am heutigen Skisport im Vergleich zu „Ihrer“ Zeit?

Man sollte die Generationen nicht miteinander vergleichen. Die Regeln und die Skitechnik haben sich enorm verändert. Diese Veränderungen sind in den letzten zwei Jahren meiner Karriere eingeleitet worden. Wenn ich den Skisport heute aus Muttersicht betrachte, ist das Verletzungsrisiko zugebenerweise schon hoch. Als junger Mensch verdrängt man das ein wenig, aber ich kann inzwischen schon verstehen, dass meine Eltern froh waren, wenn ich gesund unten angekommen bin. Bei den Männern ist das Risiko eigentlich noch größer. Aber das Risiko war schon immer recht hoch. Mein Trainer Alois Glaner hat mir auch aus seiner Zeit von schweren Verletzungen, auch tödlichen Unfällen, berichtet. Und man darf nicht vergessen, jeder betreibt die Sportart freiwillig. Heutzutage wird so etwas von den Medien natürlich auch viel stärker verarbeitet.
Sehr bedenklich ist in der gesamten Sportszene die Doping-Entwicklung, die vor keiner Sportart mehr Halt macht.