Was macht eigentlich...Manfred Nerlinger?

Er war der bayerische Vorzeigegewichtheber: Manfred Nerlinger eroberte zwei olympische Bronzemedaillen sowie eine Silbermedaille und räumte bei Weltmeisterschaften in den 80er und 90er Jahren 2mal Gold, 8mal Silber und 5mal Bronze ab und stellte 37 Deutsche Rekorde auf.

Wir wollten wissen, was er heute macht?


Manfred, wie geht es Dir?

Soweit ganz gut. Ich bin seit 2007 bei der Bundeswehr pensioniert.
Momentan kümmere ich mich um Haus und Hof.

Und was machst Du heute?

Mit unserer GmbH vertreiben wir alles was Kraftsportzubehör betrifft. Trikots, Gewichtheberschuhe, Gewichtheberzubehör, Zusatzernährung etc. Das vertreiben wir weltweit und man hat dabei genügend zu tun.

Bist Du dem Gewichtheben noch verbunden oder beobachtest Du es zumindest noch?

Ich beobachte es auf alle Fälle und bin dem Sport auch noch insofern verbunden, als mich beinahe täglich ehemalige Kollegen anrufen. Ich fahre auch noch ab und zu auf Meisterschaften, greife aber nicht mehr aktiv ein.

Rückblickend: Bereust Du es, Gewichtheben betrieben zu haben?

Die Sportart betrieben zu haben, auch wenn sie nicht so publikumswirksam ist, bereue ich auf keinen Fall. Natürlich hätte ich vom finanziellen Aspekt her bei meinen Erfolgen in anderen Sportarten mehr daraus machen können, aber ich bin trotzdem stolz auf das, was ich erreicht habe. Allerdings kann ich im Nachhinein sagen, dass man, was die Trainingssteuerung betrifft, manchmal anders einwirken hätte können, was vielleicht auch meine Knochen etwas mehr geschont hätte. Das habe ich aber auch erst später während meines Studiums festgestellt. Damals war ich halt noch jung und ungestüm.

Was war das Highlight in Deiner Karriere?

Da gab es mehrere. Zunächst die olympischen Medaillen, dann der Weltmeistertitel 1993 im Zweikampf.

Wenn Du könntest, was würdest Du in Deinem Leben nachträglich ändern?

Wie schon gesagt, ich hätte eine andere Trainingssteuerung wählen sollen.

Gibt es sonst noch etwas, was Du gerne loswerden möchtest?

Also im Gewichtheben in Deutschland ist in den letzten Jahren viel in die falsche Richtung gelaufen. Das war unter anderem auch ein Grund, warum ich als Bundestrainer aufgehört habe. Die Motivation in den Bundesländern und auch in den Vereinen ist deutlich zurückgegangen. Dagegen sollte der Verband viel mehr tun. Man konzentriert sich zu sehr auf den Leistungssport, interessiert sich aber fast gar nicht für das, was eine Ebene tiefer, also z.B. in den Vereinen passiert. Man verpasst es, die Leute mit ins Boot zu holen, die mit Freude und Spaß bei der Sache sind und vielleicht auch etwas bewegen könnten. Im Gegenteil, solche Leute verliert man sogar zunehmend.