Was macht eigentlich Martina Ertl?

Martina Ertl-Renz war lange Jahre eine der Vorzeigeathletinnen des deutschen alpinen Skisports.

Um die Jahrtausendwende gehörte sie mehr als zehn Jahre zu den weltweit besten Athletinnen. Sie gewann drei olympische Medaillen, wurde zweimal Weltmeisterin und vierzehnmal Deutsche Meisterin. In den Jahren 1996 und 1998 konnte sie jeweils die Riesenslalom-Disziplinenwertung des Skiweltcups für sich entscheiden. Insgesamt gewann sie 14 Weltcuprennen in drei verschiedenen Disziplinen und erzielte in allen fünf Disziplinen mindestens einen Podestplatz (total 57).

Während ihrer aktiven Karriere bis 2006 betritt sie sagenhafte 429 Weltcuprennen - das ist bis heute Weltrekord!

Wir wollten von ihr wissen, was sie heute macht.

Was macht Martina Ertl-Renz heute?

Eigentlich bin ich vor allem Hausfrau und Mutter. Darüber hinaus bin ich auch an zwei Tagen pro Woche in unserem Geschäft in München tätig. Das können auch schon mal recht lange Tage werden. Um unsere Ware zu bestellen müssen wir natürlich auch öfters reisen, es ist also ganz schön ausgefüllt.

Welches sportliche Ereignis aus der langen Karriere ist am stärksten in Erinnerung geblieben?

Ganz klar die WM in St. Anton 2001. 30 Tage vor dieser WM hatte ich mir das Innenband gerissen, so dass die WM und auch der Gesamtweltcup, in dem ich zu diesem Zeitpunkt führte, außer Reichweite zu sein schienen. Als Berufs-Optimist habe ich die Ärzte aber überredet, doch zumindest in der Kombination starten zu dürfen. Dort dann Gold zu gewinnen ist schon eine noch sehr starke Erinnerung.

Was hat sich im Skisport auf professioneller Ebene im Vergleich zu den 90ern verändert?

Natürlich das Material. Ich habe ja selbst etliche Veränderungen mitgemacht, Stichwort: Carving-Ski. In den letzten Jahren sind die grundlegenden Veränderungen diesbezüglich aber eigentlich eher weniger geworden. Eine große Rolle spielt allerdings das Marketing. Hier spielt z.B. das Äußere eine größere Rolle als früher. Insofern war „unsere“ Zeit eher etwas unkomplizierter.

Was gefällt oder missfällt Dir am heutigen Skisport im Vergleich zu Deiner Zeit und war eine Zeit besser?

Jede Zeit ist für sich gesehen gut und jede Zeit hat ihre Entwicklungen. Ich bereue aber keineswegs in meiner Zeit den Sport betrieben zu haben. Wenn ich mir die heutige Facebook-Generation ansehe, wird es aufgrund der geänderten äußeren Einflüsse sicher nicht leichter für die heutigen Sportlerinnen.

Wenn Du heute erneut vor der sportlichen Wahl stündest, würdest Du dich wieder für den Skisport entscheiden?

Ich bin einfach der Skisport-Typ, natürlich auch durch die Erfolge bedingt. Jetzt, wo auch meine Kinder bereits im Skiclub sind, sehe ich das Ganze natürlich differenzierter. Ist der Skisport richtig für meine Kinder oder doch zu gefährlich? Aber insgesamt sollen sie selbst entscheiden, welchen Sport sie betreiben wollen. Ich würde immer wieder den Skisport wählen.

Bist Du dem Skisport noch verbunden oder beobachtest ihn zumindest noch?

Natürlich, ich war letztes Jahr noch das ein oder andere Mal für die ARD unterwegs, wir waren auch beim Weltcupauftaktrennen in Sölden, weil unsere Kinder endlich ein Herrenrennen sehen wollten. Ich habe auch neulich beim Bambini-Training bei uns im Skiclub geholfen, bin also noch dabei.

Und gibt es noch Kontakt zu den „alten Mitstreitern“?

Immer wieder mal. Z.B. zu Hilde Gerg, Katja Seizinger, oder Michaela Gerg und viele andere mehr. Der Sohn von Rosi Renoth absolviert gerade bei uns im Laden ein Praktikum. Die Kontakte bestehen nach wie vor. Das ist eigentlich auch das Schöne an diesem Sport: Man ist auch Jahre später noch irgendwie eine große Familie mit vielen Gemeinsamkeiten.

Ein Blick nach vorne: Gibt es irgendwelche privaten oder beruflichen Projekte, die geplant sind?

Bei uns ist sowieso immer was los, so dass momentan keine zusätzlichen Projekte geplant sind. Langweilig wird es uns sicherlich nicht.