Was macht eigentlich...Monika Pflug?

Die gebürtige Münchnerin Monika Pflug gewann bei den Olympische Winterspielen 1972 in Sapporo als damals 17-Jährige überraschend die Goldmedaille im Eisschnelllauf über 1000 Meter und war damit bis 1990 die einzige westdeutsche Eisschnellläuferin, die überhaupt eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen gewann. Unmittelbar nach Olympia 1972 gewann sie auch noch die Weltmeisterschaft im Sprintvierkampf. In ihrer langen Karriere nahm sie an insgesamt fünf Olympischen Spielen bis 1988 teil. Im September 1984 heiratete sie den Eisschnellläufer Fritz Gawenus und heißt seitdem Monika Gawenus.

Was macht Monika Gawenus heute?

Ich bin Hausfrau und kümmere mich um die Familie; was eine Hausfrau eben so tut. Nebenbei trainiere ich seit 1 ½ Jahren kleine Kinder.

Nicht zuletzt Ihr Olympiasieg hat einen Eisschnelllaufboom in Deutschland ausgelöst. Erzählen Sie doch mal ein wenig darüber.

Ich war ja damals 17 und die Reise zu den Olympischen Spielen in Sapporo war mein erster weiter Flug. Allein deswegen war ich schon sehr nervös. Die Mannschaft selbst war dann sehr homogen, wobei Erhard Keller und Paula Dufter für mich große Stützen waren. Am Tag der 1000m war ich dann übernervös. Man musste mich vor dem Rennen richtig gehend aufbauen. Während des Laufes habe ich unheimlich viele Fehler gemacht. Dass es dennoch zum Olympiasieg gereicht hat, lag daran, dass ich im technischen Bereich sehr gut war und mir das harte Eis in Sapporo sehr entgegen kam. Allerdings hatte ich mir nach den guten Ergebnissen über 1500m und 500m schon ein wenig über die 1000m ausgerechnet. Der Sieg selbst hat mich aber dann überwältigt. Ich habe das im ersten Moment auch überhaupt nicht realisieren können. Erst später wurde klar: Olympiasieger, das kann dir Keiner mehr nehmen. Dass ich danach noch Weltmeisterin im Sprint wurde, hat meine Leistung nochmals eindrucksvoll bestätigt.

Wie haben Sie den Boom nach Ihrem Olympiasieg empfunden?

Direkt nach den Spielen brauchte ich erstmal etwas Ruhe. Danach hatte ich auch noch einen schweren Autounfall und musste mich erst zum Weitermachen motivieren. Dass dann sehr viele kleine Kinder in Inzell und München mit dem Eisschnelllaufen angefangen haben, war schon sehr eindrucksvoll. Ich dachte auch immer: solange ich laufe, kann ich vielleicht noch den ein oder anderen für diesen faszinierenden Sport begeistern.

1980 hatten Sie Ihre Karriere eigentlich schon beendet. Warum dann der Rücktritt vom Rücktritt?

Der Rücktritt erfolgte wegen der Geburten meiner beiden Kinder. Eigentlich bin ich schon 1980 nur mehr oder minder aus schlechtem Gewissen gelaufen, weil man befürchtete, sonst würde überhaupt niemand zu den Spielen fahren. Normalerweise hätte ich aber gar nicht laufen sollen, denn die Weltspitze war einfach zu weit weg. Trotzdem wollte ich mit den schlechten Ergebnissen von 1980 so nicht aufhören. Der Sport hat mir einfach zu viel gegeben und so habe ich doch weitergemacht und nahm an den nächsten Olympischen Spielen teil.

Was bleibt Ihnen von der Teilnahme an fünf Olympischen Spielen besonders in Erinnerung?

Natürlich der Olympiasieg. Allein das Land Japan, in dem ich mich sehr wohl fühle ist für mich immer wieder spannend.

Sind Sie dem Eisschnelllaufsport noch verbunden?

Irgendwie bin ich wieder in die Szene reingerutscht. Nach meinem Umzug nach München hat man mich auch wieder auf dem Eis gesehen und die Anfragen nach ein wenig Hilfe beim Training kamen von mehreren Seiten. Irgendwann hatte ich dann das Angebot, 8 bis 10 kleinere Kinder zu betreuen. Mein Mann hat mich dann ohne mein Wissen im Ottobrunner Verein angemeldet. Momentan betreue ich fünfmal pro Woche 15 Kinder, davon acht bis zehn ganz kleine im Alter von 6 bis 8. Der Rest ist im Wettkampfbereich zwischen 8 und 11 Jahren. Die sind allesamt sehr fleißig, was unheimlich viel Spaß macht. Allein in München geht das aber nicht, man braucht auch das Eis in Inzell, was den Kindern wiederum Riesenspaß macht.

In Deutschland läuft eine 41-jährige den Jungen weg. Wie kommt das und wo bleibt der Nachwuchs?

Das ist eigentlich schon erschreckend. Es mag an der noch mangelnden technischen Reife liegen, aber eigentlich müsste der Nachwuchs einer 41-jährigen schon Paroli bieten können. Allerdings haben wir lange Jahre von den Ausnahmeläuferinnen profitiert und es war klar, dass es irgendwann wieder bergab gehen würde. In Inzell gibt es zwar sehr viele Kinder im Jugendbereich, allerdings steht in den Sternen, wie viele davon den Sprung nach oben schaffen.

Was erwarten Sie in Sotschi von den deutschen Teilnehmern?

Ich erhoffe mir natürlich etwas von Moritz Geisreiter aus Inzell. Gerade im Herrenbereich hat es solche Leistungen ja seit Erhard Keller nicht mehr gegeben.

Sind Sie sehr enttäuscht über die verpasste Olympia-Chance Münchens?

Ich war im ersten Moment schockiert und glaube, dass man diese Entscheidung irgendwann noch bereuen wird, da man Olympische Spiele nicht jeden Tag bekommt. Man hat ja 1972 gesehen, was die Spiele München gebracht haben. Sie wären in vielerlei Hinsicht für München gut gewesen.

Gibt es sonst etwas, was Sie noch gerne loswerden würden?

Ich möchte gerne an den sportlichen Nachwuchs in München appellieren, Eisschnelllauf doch mal auszuprobieren. Es ist eine faszinierende Sportart. Dazu gehört allerdings auch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit der einzelnen Vereine. Vielleicht schaffen wir es irgendwann nicht nur ein Häufchen Talente im Umkreis hervorzubringen.