Was macht eigentlich...Silvia Sperber-Seiderer?

Die Schützin von den Königsschützen Penzing gewann unter ihrem Mädchennamen Sperber unter anderem den Mannschafts-Weltmeistertitel 1983.
Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles erreichte sie mit dem Luftgewehr den elften Platz und zog sich danach aus Enttäuschung vom internationalen Wettkampfsport zurück.
1987 kehrte Silvia Sperber zurück und erzielte 1988 beim vorolympischen Weltcup in Moskau mit 399 Ringen einen Weltrekord mit dem Luftgewehr. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann sie mit dem Luftgewehr zunächst die Silbermedaille und drei Tage später die Goldmedaille im Dreistellungskampf mit dem Kleinkalibergewehr.

Was macht Silvia Sperber-Seiderer heute?

Ich arbeite im Büro einer Zimmerei und bin die Taxi-Mama für meine Kinder.

Gold und Silber bei den Olympischen Spielen 1988 sind ja fast der Traum eines jeden Sportlers. Erzählen Sie doch etwas darüber?

Diese Zeit möchte ich keinesfalls missen, sie war wunderschön. Gerade die Olympischen Spiele waren für uns Schützen das absolute Highlight, dadurch, dass wir mit vielen anderen Sportlern zusammen gekommen sind und andere Sportarten kennen gelernt haben. Gerade mit dem Luftgewehr musste ich ja unheimlich um meine Silbermedaille bangen, das ist mir noch gut in Erinnerung. Damals, als ich die Medaillen gewonnen habe, war ich natürlich auch ungleich bekannter, aber ich bin eigentlich eher der Typ, der ungern im Mittelpunkt steht. Insofern war ich gar nicht so traurig, als der Rummel wieder vorbei war.

Warum die Wettkampfpause zwischen 1984 und 1987?

1984 war ich 19. Eigentlich in keiner Weise irgendwie Top-Favoritin. Allerdings schreiben nach dem Boykott der Ostblockstaaten alle: Jetzt muss sie Gold gewinnen. Damit bin ich einfach nicht fertig geworden, da ich mich darauf auch überhaupt nicht vorbereiten konnte. Ich hatte beim Schießen das Gefühl, neben mir zu stehen, es hat einfach gar nichts geklappt. So wie 1984 wollte ich nie mehr schießen, entweder vernünftig oder gar nicht.
Außerdem gab es damals gewisse Reibungen mit dem damaligen Trainer, ich hatte meine Lehre gerade beendet und der Arbeitgeber stellte mich vor die Wahl entweder zu arbeiten oder zu schießen und mit meinem Freund bin ich auch noch zusammen gezogen. Irgendwann hat mir das Schießen und damit verbundene Reisen auch gefehlt. Die Gemeinde verschaffte mir einen halbtags Arbeitsplatz bei der Standortverwaltung und konnte mich so auch wieder auf Training und Wettkampf konzentrieren. Danach fragte ich den Bundestrainer ob eine erneute Zusammenarbeit wieder möglich wäre und als er meinte: „Wenn Du mitziehst, Ja“ ging`s wieder los. Zusätzlich hat mich mein Vater unheimlich beim Comeback unterstützt. Die Qualifikation für 1988 habe ich dann im einzig möglichen Wettkampf erreicht, wobei mich die Münchner Truppe um Ralf Horneber unheimlich unterstützt hat. Da war ein gewaltiger Zusammenhalt drin.

Die Arbeit des Olympiastützpunktes begann 1989. Wie profitierten Sie damals vom neu geschaffenen OSP?

Ich habe über den Bayerischen Sportschützenbund vom OSP erfahren und bin schließlich hierher gekommen, wo man mir einen Arbeitsplatz als Bürokauffrau bei Mercedes verschafft hat. Für mich war das gigantisch. Eine Super-Arbeit, halbtags, so dass ich auch meinem Sport noch weiter nachgehen konnte. Außerdem habe ich dort meinen jetzigen Mann kennen gelernt, es war also insgesamt ein Glücksgriff.

Was macht das Sportschießen in Ihren Augen so attraktiv und warum haben Sie diese Sportart gewählt?

Ich liebe diese Ruhe beim Schießen. Das habe ich schnell gemerkt, als mich meine Eltern damit vertraut gemacht haben. Außerdem ist es dort vom Leistungsvermögen her relativ egal, ob man männlich oder weiblich ist. Diese Ruhe hat mich insgesamt weiter gebracht, auch beruflich. Schließlich bin ich immer besser geworden, bald in den Kader gekommen und habe schon mit 13 international geschossen. Und wenn man dann die 10 immer öfters trifft, ist es eben dauerhaft faszinierend.

Woher kommen eigentlich die Vorurteile gegenüber dem Sportschießen?

Das Problem ist einfach, dass das Hantieren mit Gewehren beim Sportschießen immer anrüchig bewertet wird und das Sportgerät als Waffe gesehen wird. Das man im Schützenverein eben gerade den vernünftigen Umgang mit dem Sportgerät lernt, wird dabei völlig ausgeblendet. Ich selbst wurde früher immer als „Flintenweib“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein Sportgerät wie jedes andere auch. Man lernt sich zu konzentrieren und eben auch selbst zu beherrschen, so dass das Sportschießen mit Rumballern absolut nichts zu tun.

Wie hat sich ihre Sportart im Vergleich zu 1988 verändert?

Sie ist viel kommerzieller geworden, mehr Sponsorenverträge, weniger familiäres Miteinander. Es ist nicht mehr so schön, wie damals. Früher hatte man mehr Freunde und es gab weniger Rivalität. Meine Tochter hat auch länger leistungsmäßig geschossen, da habe ich die Unterschiede ebenfalls deutlich mitbekommen. Dieses simple zum Stand gehen, sich konzentrieren und dort in Ruhe eine Stunde seinen Wettkampf bestreiten ist heute nicht mehr möglich. Die vielen Zuschauer sind für die Sportart fantastisch, ich persönlich möchte das nicht mehr. 

Sind Sie dem Schießsport noch verbunden oder beobachten ihn zumindest noch?

Schießtechnisch mache ich gar nichts mehr. Ich habe noch bis letztes Jahr für Fürth Altersklasse Damen geschossen, aber inzwischen habe ich ziemliche Rückenprobleme, was wahrscheinlich ein Überbleibsel von früher ist. Wir haben damals leider nicht so auf Gymnastik geachtet wie das heute propagiert wird. Außerdem will ich mir inzwischen auch nicht mehr die Zeit für das Training nehmen. Bei deutschen oder bayerischen Meisterschaften bin ich wegen der „alten“ Kontakte allerdings ab und zu schon noch dabei.

Wie schätzen Sie die Situation des bayerischen Schießsports ein?

Das kann ich von außen nur sehr schwer beurteilen, dazu bin ich inzwischen zu weit weg.